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Defiant

Die Skeptiker interessiert es nicht, ob die Götter die Welt verlassen haben oder nicht. Für sie sind die Götter sowieso am Zusammentreffen der Ebenen und der folgenden Katastrophe Schuld. Tatsächlich sind doch die Götter plötzlich und unerklärlich verschwunden, als die Situation immer schlimmer wurde.

Und während die Wächter in ganz Telara Tempel bauen, sich in die Angelegenheiten anderer einmischen und verzweifelt für ein Wunder beten, planen die Skeptiker, selbst ein Wunder herbeizuführen. Auch wenn dies bedeutet, als Ketzer beschimpft und als Gesetzlose gebrandmarkt zu werden.

Die Skeptiker sind aber vor allem technologieverliebte, selbstbewusste Individualisten. Die Kombination aus Technologie und Magie bietet ungeahnte Möglichkeiten für Innovationen, persönliche Stärke und kulturellen Fortschritt. Richtig angewendet, können diese Stärken zu Waffen werden, um die drohende Finsternis zu bekämpfen. Die Skeptiker glauben fest daran, dass ein ordentlicher Angriff die beste Verteidigung ist - etwas, dass die Wächter nie verstehen werden.

Mit der Hilfe von genügend wundersamen Kriegsmaschinen und magischen Neuerungen glauben die Skeptiker, dass die Bewohner Telaras genug Kraft haben, um die Drachengötter selbst zu vernichten, ohne sich auf veraltete, religiöse Dogmen verlassen zu müssen. Wenn Telara gerettet ist, werden die Skeptiker die Anführer eines neuen technomagischen Zeitalters sein, in dem jede Facette des Lebens mit dem Segen ihrer Neuerungen durchtränkt sein wird.

 

Manche Skeptiker geben zwar unwillig zu, dass ihre Methoden gefährlich sind und möglicherweise die Integrität der Welt aufs Spiel setzen, aber sie werden sofort darauf hinweisen, dass die Welt ja sowieso dem Ende nahe ist, und sich daher das Risiko lohnt. Und ist die Welt erstmal zerstört, ist sowieso keiner mehr da, um sich zu beschweren!

Die Geschichte der Skeptiker

Die Saat des Widerstandes

Die Hingabe an die fünf Götter Telaras war niemals universell oder bedingungslos. Obwohl niemand den Anteil der Gottheiten am Wunder des Schutzbannes anzweifelte, glaubten nicht alle, dass dies die einzige Lösung für das Problem des Blutsturms war. Während der Kriege, die zur Einkerkerung der Drachen führten, benutzten die alten Eth Quellstein, um unheimliche Maschinen anzutreiben. Diese Waffen hatten eine verheerende Wirkung auf den Blutsturm und seine Anhänger, doch als wieder Friede eingekehrt war, verfügten die Götter, dass die Quellstein-Technologie nicht weiterverfolgt werden sollte. Die Eth jedoch widersetzten sich dieser Anordnung und legten damit den Grundstein für eine die Äonen überdauernde Feindschaft zwischen jenen, die den Göttern gehorchten, und jenen, die ihren eigenen Weg gingen.

Irgendwann zerstörten die Eth dann ihre Maschinen, damit sie nicht in die Hände der Drachenkulte fielen, und das großartige Imperium, das mithilfe dieser Technologie entstanden war, zerfiel zu Staub. Das soll nun nicht etwa bedeuten, dass damit jegliches Interesse, Magotechnik wiederzubeleben, erloschen war, aber die Inquisitoren des neu entstandenen Mathosianischen Imperiums taten alles in ihrer Macht stehende, um den Gebrauch zu unterbinden. Schon der bloße Besitz von Quellstein-Technologie wurde mit dem Tod geahndet, und so wurde sie viele Jahrhunderte lang nicht mehr benutzt.

Dämmerung der Drachentöter

Der Drachentöterbund wurde als Organisation von Telaranern gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, über die Drachenkulte zu wachen und jegliche Versuche zu vereiteln, den Blutsturm zu befreien. Die Drachentöter, eine autonome Streitmacht, die aus den in alle Himmelsrichtungen versprengten Eth und ihren Verbündeten, den Bahmi bestand, waren bestrebt, jeglichen Missbrauch von Magotechnik zu verhindern. Auf dem Höhepunkt des Mathosianischen Bürgerkriegs entdeckte der Bund König Aedraxis' hinterhältigen Plan, Regulos nach Telara zurückzuholen. Der Bund schickte seine beste Agentin, Asha Catari, mit diesen Informationen zu Prinz Zarephs Armee, doch es war spät. Aedraxis beschädigte den Telara umgebenden Schutzbann, Todesrisse spalteten das Schlachtfeld und Asha starb zusammen mit all den anderen Helden, die sich dem Verräterkönig entgegenstellten.

Als die überlebenden Hochelfen, Zwerge und Mathosianer mit Zareph nach Sprosshafen flohen, wurden sie von zahlreichen Eth und Bahmi begleitet, die einst gegen sie gekämpft hatten. Während des Bürgerkrieges hatte Orphiel Fernwind diesen Bahmi und Eth eine Wiederbelebung der Quellstein-Technologie versprochen, falls sie unter Aedraxis' Banner kämpften. Orphiel war einer der stärksten Verfechter der Rückkehr von Magotechnik und sprach viel darüber mit König Jostir Mathos, als er an dessen Hof als Lehrer für die Prinzen (und die damals noch sehr junge Asha) fungierte. Niemand war überraschter als Orphiel und sein Anhänger, als Aedraxis dann ihre Maschinen benutzte, um den Schutzbann zu zerbrechen, und viele starben im Kampf gegen die Schrecken, die sie unwissentlich freigesetzt hatten.

Viele andere Flüchtlinge wollte den Bahmi und Eth, und vor allem Orphiel, den Zutritt zu Sprosshafen verwehren. Allen voran brachte Cyril Kalmar, der Anführer der neuen Auserwählten Wächter, seine Meinung deutlich zu Geltung. Dennoch erließ Prinz Zareph den Befehl, dass dieser Gruppe die Möglichkeit gegeben werde, ihren Fehler wiedergutzumachen. Ihre Welt lag in Trümmern, so sein Argument, daher würde jeder, der dazu in der Lage war, für den ohne Zweifel bevorstehenden Kampf gebraucht. Bereits jetzt trafen aus allen Winkeln des Imperiums Nachrichten über Monster ein, die durch die Risse nach Telara hineinströmten.

Orphiels Triumph

Als Forscher in Freimark eine alte Eth-Werkstatt ausgruben, startete Orphiel ein Projekt, das die telaranischen Reihen auffüllen sollte. Dokumenten zufolge war diese Werkstatt errichtet worden, um direkt in den natürlichen Kreislauf von Leben und Tod einzugreifen. Die Eth hatten versucht, "Auferstehungsschmieden" zu bauen, Maschinen, die fähig waren, die Seelen Verstorbener nach Telara zurückzuholen. Orphiel und seine Assistenten studierten diese Schmieden bis ins kleinste Detail, um sie wieder aufzubauen und neu auszustatten. Ein ums andere Mal wurden die Maschinen aktiviert ... und versagten. Nach vielen deprimierenden Fehlschlägen gelang es Orphiel dann endlich, doch eine Seele herbeizuholen, und in der Maschine vor ihm saß keine Geringere als Asha Catari.

Ausgestattet mit der unglaublichen Macht der Auserwählten, schien Asha der lebende Beweis für Orphiels Theorie zu sein: Es war durchaus möglich, Auserwählte künstlich zu erschaffen, ohne den Segen der neu gegründeten Vigilie. Cyril und einige andere betrachteten Asha zwar als Ausgeburt des Teufels und einen Affront gegen die Götter, doch Zareph war überaus erfreut und gestattete Orphiel, seine Arbeit weiterzuführen. Zu seiner großen Enttäuschung jedoch erwiesen sich alle, die Orphiel nach Asha von den Toten zurückholte, als sterblich.

Kampf um die Zukunft

Während dieser Zeit sorgte Prinz Zareph für einen erzwungenen Waffenstillstand zwischen Orphiels Anhängern und Cyrils Wächtern. Dieser ging schnell in die Brüche, als Sprosshafen an den Feind fiel und Zareph verschwand. Die Auserwählte Wächterin Alsbeth übergab die Stadt dem Zerstörer, als deren Beschützer an anderer Stelle kämpften. Zareph hatte Orphiel kurz zuvor erlaubt, Sprosshafen mit technomantischen Verteidigungsanlagen auszustatten. Diese Waffen setzte Alsbeth nun gegen den Quellsteinschild ein, der die Stadt vor dem Eindringen anderer Ebenen schützte, und ermöglichte so eine gigantische Todesinvasion. Zareph riegelte Sprosshafen von innen ab und verhinderte damit, dass sich die in der Stadt eingeschlossenen Schrecken ins Umland ergossen. Dabei verschwand auch er und ward seither nicht mehr gesehen.

Die Ereignisse jenes Tages entzweite die beiden Fraktionen. Beide sahen den jeweils anderen als Schuldigen am Fall von Sprosshafen, und als sich Orphiel und Asha weigerten, ihre technomantischen Forschungen einzustellen, verkündete Cyril, dass die Wächter ihre Arbeit mit aller Macht bekämpfen würden. Dann trennten sich die beiden Gruppen. Dies war die offizielle Geburtstunde der Skeptiker.

Viele Jahre später in einer Zeit, die einst Telaras Zukunft sein würde oder auch nicht, perfektionierte eine Gruppe verzweifelter Überlebender der erfolgreichen Invasion des Blutsturms schließlich Orphiels Auferstehungsprozess und, was vielleicht noch mehr an ein Wunder grenzte, die Technologie für Zeitreisen, wenn auch eingeschränkt. Während sie ihr Labor in einer letzten Bastion des Widerstandes, Terminus genannt, mit aller Kraft verteidigten, schickten sie ihre heldenhaften Toten an den Augenblick zurück, an dem RIFT beginnt. Das sind die Auserwählten Skeptiker, die dafür kämpfen, dass die Zukunft, aus der sie kommen, niemals Wirklichkeit wird.